Die Sprint-Methode für NGO‘s: Was, wie und warum?

‚Sprinten‘ erklärt der Duden mit ‚schnell laufen‘ oder auch ‚eine kurze Strecke mit größtmöglicher Geschwindigkeit zurücklegen‘. Was aber versteht man im Bildungskontext unter einem Sprint? Und sind Sprints für die Arbeit von NGO‘s geeignet? Darüber gebe ich in diesem Blogartikel Auskunft. Als praktisches Beispiel zur Anschauung dient der von mir zuletzt besuchte Sprint – der ‚EduSprint‘ der Initiative ‚Edulabs‘ Anfang Oktober in Berlin.

Was ist ein Sprint?

Unter einem Sprint im Bildungskontext versteht man ein Arbeitstreffen, bei dem gemeinsam an einem konkreten Ergebnis gearbeitet wird. Das können z.B. Bildungsmaterialien, Linklisten, Methoden-Sammlungen oder ähnliches sein. Sprints für kleinere Projekte sind meist für ein bis zwei Tage ausgelegt. Bei größeren Projekten wie einem gemeinsamen 'Booksprint' sollte man drei bis fünf Tage einplanen. Sprints ermöglichen konzentrierte und kooperative Arbeitsphasen, bei denen sich Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Expertisen einbringen.

Beispiel Edusprint: Hier haben wir z.B. Unterrichtsbeispiele für innovatives digital-unterstütztes Lehren zusammengestellt, auf die zukünftig Lehrende an Schulen oder in der außerschulischen Jugendarbeit zurückgreifen können sollen. Beteiligt waren Lehrende aus Schulen und dem außerschulischen Kontext mit unterschiedlichen Fachschwerpunkten und Interessengebieten. Auf diese Weise war sichergestellt, dass eine Vielzahl und vor allem auch vielfältige Materialien zusammen getragen werden konnten.

Wie läuft ein Sprint ab?

Das wichtigste am Sprint sind die gemeinsamen Arbeitsphasen. Damit diese gelingen, ist es wichtig, dass man sich Zeit nimmt für eine gegenseitige Vorstellung und eine strukturierte Erklärung des Vorhabens und der Arbeitsweise. Dazu gehört auch die Einführung in die zu nutzende Technik. Außerdem sollten immer wieder kurze Feedback- und Review-Runden eingeplant werden, bei denen man sich z.B. über die im Arbeitsprozess entstehende Fragen austauscht und sich auf nächste Schritte verständigt.

Beispiel Edusprint: Nach einer Vorstellungsrunde gab es die Einführung in die geplante Arbeitsweise. Im Anschluss an eine erste gemeinsame Ideensammlung ging es direkt ans Schreiben. Abends war Zeit zum informellen Austausch und am nächsten Morgen gab es eine ausführlichere gemeinsame Diskussion über die ersten Ergebnisse und die noch nächsten Schritte. Nachmittags endete die Veranstaltung dann nach einer weiteren Arbeitsphase mit einem gemeinsamen Abschluss.

Was passiert mit den Ergebnissen eines Sprints?

Wichtig ist, dass die Ergebnisse eines Sprints anschließend für alle weiternutzbar veröffentlicht werden. Dazu bietet sich die Liztenzierung mit einer Creative Commons Lizenz an. Empfehlenswert für Sprints ist CC BY. Bei dieser Lizenz kann später jeder das entstandene Material beliebig weiter nutzen, muss aber im Rahmen eines Lizenzhinweises eine Namensnennung vornehmen. Wie diese gestaltet werden soll, muss während des Sprints festgelegt werden. Möglich ist es beispielsweise, dass jeder Teilnehmende für die von ihm erstellten Inhalte gerade steht oder dass eine gemeinsame Namensnennung ‚Edusprint 2017‘ o.ä. angegeben wird.

Was braucht man an Technik und sonstiger Ausstattung?

Am einfachsten arbeitet es sich, wenn man Online-Tools mit einer Visualisierung vor Ort verbindet. Gut geeignet für das gemeinsame Schreiben sind Etherpads (kollaborative Editoren im Internet). Für Ideensammlungen und die Dokumentation des Arbeitsprozesses bieten sich klassische Moderationsmaterialien (Stellwände, Karteikarten) an.


Beispiel Edusprint:
Beim Edusprint haben wir Ideen für zu schreibende Inhalte auf Karteikarten gesammelt und an eine erste Pinnwand gepinnt. Wenn sie dann geschrieben waren, kamen sie auf eine zweite Pinnwand zum Review – mit Angabe der Kurz-URL, wo sie zu finden sind. Online gearbeitet wurde mit einem von Edulabs selbst konfigurierten Tool. Zusätzlich nutzten wir Slack für Kommunikation/ Ankündigung. Wer einen einfachen Online-Editor sucht, der eine gute Nachnutzung der Inhalte erlaubt, der sei auf Hack MD verwiesen (Nicht erschrecken vor dem etwas technischen Aussehen – geschrieben wird in Markdown, was aber kaum Vorkenntnisse voraussetzt. Das kann im Arbeitsprozess erlernt werden)

Gibt es ‚goldene Regeln‘ für einen Sprint, die man unbedingt beachten sollte?

Aus meinen bisherigen Erfahrungen finde ich vor allem die folgenden Punkte wichtig:

  1. Ein Sprint steht und fällt mit einer guten Vorbereitung. Nichts ist nerviger, als wenn motivierte Menschen anreisen und mit dem Sprint loslegen wollen, aber sich stattdessen erst einmal lange auf technische Tools und den gewünschten Arbeitsprozess verständigen müssen. Stattdessen ist es sinnvoll, dass ein konkreter Vorschlag zur Arbeitsweise zu Beginn vorgestellt wird. Außerdem sollte die technische Umgebung vorbereitet. d.h. z.B. die gewünschten Pads schon eingerichtet werden.
  2. Ein Sprint lebt von den Teilnehmenden. Die Bewerbung eines Sprints ist ganz entscheidend. Anders als bei Konferenzen, auf denen passive Teilnehmende nicht stören, ist es bei einem Sprint unbedingt erforderlich, Menschen zum Teilnehmen zu motivieren, die sich aktiv einbringen wollen. Je nach geplantem Projekt im Sprint sollte auch sichergestellt sein, dass alle Expertinnen und Experten vorhanden sind, die man braucht, um das Projekt realisieren zu können: Wer kann gut recherchieren? Wer bringt technische Kenntnisse ein? Wer hat pädagogische Expertise? Etc.
  3. Beim Sprint arbeiten alle gleichberechtigt. Die Teilnehmenden eines Sprints nehmen in der Regel ehrenamtlich teil. Bei guter finanzieller Ausstattung ist es zwar manchmal möglich, eine kleine Aufwandsentschädigung zu bezahlen, aber das ändert nichts am grundsätzlichen Charakter der Freiwilligkeit. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die Teilnehmenden gemeinsam über Pausen, wichtige To Do Punkte und darüber, wer was macht, entscheiden. Und auch jeder einzelne Teilnehmer muss für sich entscheiden dürfen, ob er jetzt mal kurz eine Auszeit braucht oder ob er noch weiter arbeiten will.
  4. Ein Sprint ist nicht der richtige Raum für Grundsatzdiskussionen. Schnell kann es passieren, dass im Rahmen eines Sprints eine Frage aufgeworfen wird, zu der eine erhitzte Diskussion entbrennt. Das kann ein inhaltliches Thema betreffen oder auch einfach nur den Arbeitsprozess … In diesen Fällen ist eine gute Moderation gefragt: Die Punkte klären, die für den Sprint unbedingt nötig ist – und alles weitere aufs informelle Zusammensein am Abend oder ein späteres Treffen verlegen. Um Grundsatzdiskussionen beim Sprint zu verhindern ist es auch sinnvoll, vorab gut darüber zu informieren, was geplant ist und evtl. auch zu einem ersten Call für offene Fragen einzuladen. Dann wissen alle Teilnehmenden, auf was sie sich einlassen.
  5. Die Sprint-Ergebnisse müssen nachhaltig genutzt werden. Niemand arbeitet gerne für den Papierkorb. Da bei einem Sprint viele Menschen freiwillig etwas von ihrer Zeit investieren, ist es umso wichtiger, dass von Beginn an überlegt wird, wie mit den Ergebnissen umgegangen werden soll: Welche Wege der Veröffentlichung gibt es? Wer sorgt für ein ansprechendes Layout? Wie wird eine möglichst gute Verbreitung sicher gestellt? Etc.

Warum kann ein Sprint für meine NGO sinnvoll sein?

Wie oben dargestellt wird mit einem Sprint auf Basis vielfältiger Erfahrungen und Expertisen weiternutzbares Material oder andere Tools gestaltet. Für NGO‘s sind Sprints somit eine optimale Möglichkeit, um die Kompetenzen ihrer Mitglieder zu bündeln, Synergie-Effekte zu schaffen und die Organisation insgesamt weiter zu bringen. Mögliche Ideen für Sprints im NGO-Bereich sind z.B. die Sichtung und Aufbereitung von Best Practice Beispielen der NGO-Arbeit, die Erstellung einer Info-Broschüre / einer Textsammlung über die Arbeit der NGO, Zusammenstellung von Seminar- und Workshopvorlagen für die Einführung neuer Mitglieder, Entwicklung von Kampagnen-Material etc.

Ein paar Impressionen zum Edusprint gibt es bei Twitter. Die Sprint-Ergebnisse werden aktuell finalisiert und bei Veröffentlichung hier verlinkt.

Gemeinsame Checkliste

Eine ergänz- und editierbare Checkliste zur Sprint-Durchführung gibt es als Pad-Text. Weitere Erfahrungen/ Hinweise gerne eintragen. Die Checkliste ist von allen ohne Lizenzhinweis weiternutzbar (CC 0).

Lizenzhinweis

Dieser Inhalt ist offen und steht Dir damit zur Weiterverwendung frei zur Verfügung. Bitte gib dabei den folgenden Lizenzhinweis an:

Der Inhalt Die Sprint-Methode für NGO‘s: Was, wie und warum? aus dem eBildungslabor steht unter der Lizenz CC BY 4.0

Als HTML-Code zum Einbetten:

<p>Der Inhalt <a href=http://www.ebildungslabor.de/blog/die-sprint-methode-für-ngo‘s-was-wie-und-warum>Die Sprint-Methode für NGO‘s: Was, wie und warum?</a> aus dem <a href=http://www.ebildungslabor>eBildungslabor</a> steht  unter der <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">Lizenz CC BY 4.0</a></p>