Datenschutz und E-Learning

Die Nutzung des Web 2.0 für Bildungszwecke hat in der bildungswissenschaftlichen Diskussion ein neues Schlagwort generiert: "E-Learning 2.0". Unter E-Learning 2.0 wird allgemein eine Herangehensweise an digitale Bildung verstanden, die das Web 2.0 zur Gestaltung von virtuellen Bildungsarrangements nutzt. Das Lehren und Lernen verändert sich im E-Learning 2.0 dahingehend, dass Lernen immer und überall möglich ist, dass Lernende ihre Lernprozesse selbst gestalten und organisieren, dass Lernen nicht mehr überwiegend an Bildungsinstitutionen gebunden ist, dass es in Lerngemeinschaften stattfindet sowie, dass informelles und non-formales Lernen an Bedeutung gewinnen. Entscheidend ist hierbei, dass das Web 2.0 nicht nur als potentieller Bildungsraum verwendet wird, sondern zugleich als Instrument zu Kommunikation, Koordination und Kooperation. Zurückgegriffen wird hierzu beispielsweise auf die im Netz vorhandenen soziale Netzwerke oder andere kostenfreie Online-Tools.

Aus einer pädagogischen Perspektive gilt E-Learning 2.0 allgemein betrachtet als ein sehr progressiver Ansatz. So eröffnet es – anders als viele traditionelle Lernszenarien – die Möglichkeit zur Durchsetzung von Grundsätzen, die unter anderem in der Reformpädagogik schon lange als Garant für ein erfolgreiches Lernen gelten: Lernende erhalten eine aktive Rolle, während Lehrende nicht mehr vorrangig Wissen vermitteln, sondern zu Unterstützern und Begleitern von Lernprozessen werden.

Wie E-Learning 2.0 in der Praxis umgesetzt werden kann, zeigt beispielsweise das Media Literacy Lab an der Universität Mainz. In inzwischen zwei Projekten wurden hier in den letzten Jahren medienpädagogisch relevante Themen in offenen Bildungsangeboten exploriert und die Ergebnisse wiederum für alle Interessierten offen ins Netz gestellt. Betrachtet man sich das Lab jedoch aus einer datenschutz-sensiblen Perspektive, so wird man schnell stutzig: So ist die Voraussetzung für die Teilnahme an einem der offenen Projekte unter anderem ein Google Plus Account. Fast die gesamte Kurs-Kommunikation und der Austausch erfolgt über eine entsprechende Google Plus Community. Die des letzten Kurses lässt sich beispielsweise hier einsehen.

An diesem Beispiel wird deutlich: Je mehr die Nutzung des Web 2.0 in der Bildung vorangetrieben wird, desto größer können die Datenspuren der einzelnen werden, die hier – genau wie bei der sonstigen Internetnutzung auch – hinterlassen werden. Mehr Sensibilität bei Lehrenden und Lernenden für dieses Thema ist aus meiner Sicht deshalb dringend erforderlich. Denn Interessen an den im Rahmen von Bildungsprozessen generierte Daten kann es viele geben. Beispielsweise können Personaldienstleister sie analysieren, um die „besten Köpfe“ anzuwerben oder Unternehmen und Bildungsinstitutionen können sie nutzen, um Lernende und Mitarbeiter zu sanktionieren.

Der Verein Digitalcourage warnt im Rahmen seiner Anleitung zu digitaler Selbstverteidigung zu Recht:

„Nutzen Sie möglichst wenige kostenfreie Dienste. Machen Sie sich stets bewusst, dass Sie hier in einer anderen Währung bezahlen: Mit Ihren Daten und Ihrer Freiheit.“

Im Bereich des E-Learning wird diese Warnung aus meiner Sicht von Lehrenden und Lernenden bisher zu wenig berücksichtigt.

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