Digital kommunizieren in virtuellen Bildungsprojekten

Um erfolgreiche Lernprozesse zu erreichen, ist es grundlegend, auf eine gelingende Kommunikation in virtuellen Lernumgebungen hinzuarbeiten. Um zu entscheiden, welche Kommunikationstools Lernenden vor diesem Hintergrund zur Verfügung gestellt werden, ist es zunächst hilfreich, sich die unterschiedlichen möglichen Formen virtueller Kommunikation zu vergegenwärtigen.

In der Wissenschaft wird insbesondere nach einer zeitlichen Dimension unterschieden. Demnach kann virtuelle Kommunikation synchron und asynchron stattfinden. Eine weitere Unterscheidung betrifft die Anzahl der Kommunikationspartner, wobei zwischen bilateraler und multilateraler Kommunikation unterschieden wird. Eine dritte Dimension ist der Aspekt der Medien. Hiermit ist gemeint, dass nicht nur über Text, sondern beispielsweise auch über Audio oder Video kommuniziert werden kann. Darüber hinaus können Kommunikationstools danach unterschieden werden, ob sie nur flüchtig greifbar sind oder die Inhalte dauerhaft gespeichert werden können. Dies wird als Persistenz bezeichnet. Eine weitere Dimension ist der Informationsfluss. Hier lässt sich unterscheiden zwischen Pushmedien, bei denen die Nachricht den Empfänger ohne dessen Zutun erreicht und Pullmedien, bei denen der Nutzer aktiv werden muss, um eine Nachricht lesen zu können. Zuletzt sollen noch die Dimensionen der Symmetrie und der Offenheit aufgeführt werden. Eine asymmetrische Kommunikationssituation wäre es beispielsweise, wenn nur der Lehrende die Möglichkeit hat, alle Nutzer zentral anzumailen. Was den Punkt der Offenheit betrifft, so kann die in einer virtuellen Lernumgebung stattfindende Kommunikation sowohl offen für alle Interessierte sein. Ebenso lassen sich aber auch private Bereiche definieren, in denen nur Nutzer untereinander kommunizieren können.

Ich habe bisher grundsätzlich sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Lernenden in virtuellen Bildungsprojekten, in denen vor allem auch miteinander und voneinander gelernt wird, möglichst vielfältige Kommunikationstools zur Verfügung zu stellen. Insbesondere hat es sich in Bildungsprojekten als hilfreich erwiesen, neben Foren oder anderen asynchronen Kommunikationstools, auch einen Chat für synchrone Kommunikation bereitzustellen. Denn für viele Lernende ist erstens die Hürde, solch ein flüchtiges Tools zu nutzen häufig geringer als einen Beitrag in einem Forum zu posten. Zweitens lässt sich so häufig eine aufgetretene Schwierigkeit sehr gut und unkompliziert lösen. Entscheidend ist dann allerdings, dass das erreichte Ergebnis wiederum allen, auch denjenigen die nicht am Chat beteiligt waren, bekannt gemacht wird.

Ein weiterer Erfahrungswert betrifft die Offenheit der Kommunikation: Selbst wenn der Anspruch besteht, offene Bildungsprojekte durchzuführen, so habe ich es erlebt, dass es für Lernende häufig einfacher ist, bestimmte Informationen nur mit anderen registrierten Nutzern zu teilen. Deshalb können private Bereiche in virtuellen Lernumgebungen sehr hilfreich sein.

Darüber hinaus habe ich insbesondere zu Beginn von Bildungsprojekten Pushmedien als etwas sehr wichtiges erlebt. Umgesetzt habe ich sie häufig in Form regelmäßiger Mailings an alle Lernenden, in denen skizziert wird, was aktuell in der Lernumgebung ansteht und wie man sich beteiligen kann. Auf diese Weise war es vielfach möglich, so genannte Lurker, d.h. Lernende die das Lerngeschehen nur passiv beobachten, aber keine eigenen Beiträge einstellen, doch noch zum Mitmachen zu bewegen. Selbstverständlich sollten Lernende aber die Option haben, in ihrem Profil den Empfang dieser regelmäßigen Mailings zu deaktivieren.

Technisch umgesetzt werden können Lernplattformen, die in dieser Form unterschiedliche Kommunikationstools realisieren, unter anderem mit der Open Source Software Drupal. Drupal bietet eine Vielzahl von Erweiterungsmodulen an - z.B. einen Chat. Somit kann es die Entwicklung von Lernplattformen mit Drupal ermöglichen, sehr spezifisch die konzeptionell erwünschten Kommunikationsanforderungen zu erfüllen.

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