Mein Rückblick und Ausblick zum Educamp in Hattingen 2018

Am Wochenende war das diesjährige Herbst-Educamp in Hattingen. Wer das Educamp noch nicht kennt: Es handelt sich dabei, um ein ganz besonderes Barcamp - und das aus mehreren Gründen.

  1. Kinder und Jugendliche sind selbsverständlich mit dabei. Und das nicht - wie ansonsten oft üblich - als zu betreuende Personen in einer zusätzlichen Kinderbetreuung, sondern als Teilgebende wie alle anderen auch: sie nehmen mit an Sessions teil und bieten selbst welche an. Gerade die letzteren sind oft die besten Sessions des ganzen Camps, z.B. wenn Kinder erklären und zeigen, wie sie mit Lego programmieren oder einen Podcast aufnehmen.
  2. Die Umgebung und Ausstattung des Tagungsortes ist einfach großartig: Das Educamp findet statt in der DGB-Bildungsstätte in Hattingen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwar nicht super zu erreichen ist, aber dafür viel Platz, tolles Essen, grüne Umgebung und alles weitere bietet, was man für entspanntes Durchatmen braucht. Sogar eine Kegelbahn und ein Schwimmbad (in dem in diesem Jahr eine Poolparty für die Kids und alle anderen stattfand!). Auf diese Weise ist ein Educamp immer ein bißchen wie Urlaub.
  3. Man bekommt massenhaft Inspirationen: Das ist durch das offene Session-Format sicherlich auch bei anderen Barcamps so. Als besonders erlebe ich beim Educamp vor allem, dass es sehr viel um prakisches Ausprobieren geht. Das sind dann häufig Dinge, die man eigentlich schon immer mal machen wollte und die man sich eigentlich bestimmt auch selbst beibringen könnte, aber die man dann eben im Alltag doch nicht angeht. Beim Educamp klappt der Einstieg gemeinsam mit anderen dann wunderbar.

Ich war dieses Jahr mit meinen beiden Kindern (eins in der Kita, eins in der Grundschule) da. Beiden hat es super gefallen. Meine persönliche Merkliste und Stichworte-Zettel möchte ich hier gerne teilen. Vielleicht bietet er ja auch Menschen Inspirationen, die nicht in Hattingen dabei waren - oder dort waren, aber in anderen Sessions:

EduBreakout

Praktisch erlebt habe ich in der Session von Oliver Zirwes ein EduBreakout. Ich hatte vorab schon einiges dazu gelesen, aber ein eigenes Ausprobieren ist dann doch nochmal etwas ganz anderes. Wichtig zum eigenen Umsetzen finde ich als Fazit daraus:

  • Ein EduBreakout klingt vielleicht erst einmal neu und kompliziert, ist aber von der Idee her tatsächlich sehr simpel: Es müssen Herausforderungen (am besten kollaborativ) gelöst werden. Das Ergebnis ist ein Zahlencode (oder eine Farbabfolge), mit deren Hilfe man das Schloss einer 'Schatzkiste' öffen kann.
  • Ein EduBreakout ist erst einmal nicht unbedingt digital, weil die Herausforderungen natürlich auch ganz einfach analog gestellt und gelöst werden können. Es bietet aber viele Ansatzpunkte für Aufgaben mit digitaler Unterstützung. Sehr gut geeignet sind dazu z.B. QR-Codes (zur Weitergabe der Aufgabe oder auch zum Selber Malen, um eine bestimmte Zahl zu erhalten)
  • Ein EduBreakout ist vorbereitungsintensiv: insbesondere muss man sich eine coole Geschichte zu den Herausforderungen überlegen. Schon die Vorbereitung und dann vor allem die Durchführung macht aber anscheinend ziemlich viel Spaß.

Was ich mir vornehme: ein EduBreakout als Format für die Konzeption einer Fortbildung ausprobieren!

[Für die EdTech-OpenNet-Wunschliste in diesem Zusammenhang überlegt: H5P Inhaltstypen für ein EduBreakout zusammenstellen - vieles lässt sich sicherlich schon mit den jetzt bestehenden Inhaltstypen gestalten; anderes könnte man evtl. recht einfach entwickeln.]

Immersives Lernen

Christiane Schicke hat ihre Erkundungen und Explorationen zum immersiven Lernen vorgestellt. Sehr anschaulich kann man die Idee davon unter anderem auf der Website dieses Anbieters ansehen. Wie man sieht, wird der gesamte Raum zum Lerngegenstand: man befindet sich nicht nur in einer bestimmten virtuell gestalteten Atmosphäre, sondern kann insbesondere mit den virtuellen Objekten in Interaktion treten. Gemeinsam haben wir überlegt, wie diese technischen Möglichkeiten für Schule nutzbar gemacht werden könnten. Sehr sinnvoll erschien uns dazu ein Konzeptionsworkshop als Sprint/ Hackathon, bei dem Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen zusammen kommen, z.B. Kunstpädagogik, Informatik, Schule, berufliche Bildung ...

Was ich mir vornehme: weiter zum Thema recherchieren und einen Überblicks-Blogbeitrag über bereits existierende Angebote und pädagogische Herausforderungen schreiben

Netzwerk-Kompetenz

Die Frage der Session von André Hermes lautete: Wie lässt sich Netzwerk-Kompetenz in Bildungsprozessen erlernen? Er hat dazu mit recherchieren und kuratieren, diskutieren, produzieren/ externalisieren und remixen vier mögliche Ansätze vorgestellt. Anschließend haben wir in Gruppenarbeit praktische Unterrichtsbeispiele dazu erarbeitet. In meiner Gruppe ging es darum, wie Schülerinnen und Schüler Unterrichtsmaterial selbst remixen können. André hat angekündigt, die Workshop-Ergebnisse gesammelt zu veröffentlichen.

Was ich mir vornehme: Das Thema und die entwickelten Ideen aufgreifen und z.B. in OER-Fortbildungen integrieren.

Programmieren für den MergeCube

Bislang fand ich den MergeCube ehrlich gesagt recht langweilig. Neu ausprobiert habe ich in der Session von Steffen Jauch nun die eigene Programmier-Möglichkeit mittels CoSpaces Edu. Praktisch funktioniert das so, dass man sich über die Website von CoSpaces Edu eine eigene 3D-Umgebung gestalten kann. Dazu lassen sich sowohl eigene Bilder und Objekte hochladen, als auch die vorhandene (in der kostenfreien Version allerdings sehr eingeschränkte) Bibliothek nutzen. Der Clou daran ist nun, dass man die Objekte für eine Programmierumgebung freigeben kann und damit Aktionen gestalten kann.

Als Beispiel haben wir uns z.B. eine Mondlandschaft angesehen, auf der mit Klick eine Rakete startet. Selbst gestaltet haben wir eine Schneelandschaft, in der sich zwei Menschen treffen und miteinander unterhalten. Die selbst gestaltete Landschaft kann dann durch Scannen mit dem Smartphone auf dem Merge-Cube sichtbar gemacht werden.

Die Idee finde ich sehr gut, wenn auch noch recht eingeschränkt. (Vor allem fehlt die Option einer Text- oder Bild-Eingabe. Man kann in der Spielumgebung nur Punkte auswählen und anklicken.)

Was ich mir vornehme: Die weitere Entwicklung verfolgen und das Tool mal in meiner Medien-AG ausprobieren.

[Für die EdTech-OpenNet-Wunschliste in diesem Zusammenhang überlegt: Ein Pad für gemeinsame 3D-Gestaltung (ähnlich wie https://awwapp.com/, aber eben mit 3D Gestaltung)]

Neues Technik-Gadget

Ziemlich teuer, aber spannend: Sergej hat in einer Session das 'Makeblock Neuron Inventor Kit' vorgestellt. Es besteht aus mehreren Blöcken, die einfach magnetisch aneinandergeklippt werden können und die sich dann mittels eines Blutooth Sensors mit einem mobilen Edgerät steuern lassen können. In der Kürze z.B. entwickelt: eine Mini-Musikanlage, die auf Klick ein bestimmtes Lied spielt, verschiede Icons blinken lässt oder einen Propeller dreht. Einfach erklärt kombiniert das Tool die Möglichkeiten von Mikro-Controllern wie dem Calliope Mini und Elektonik-Erkundungen wie dem Makey Makey - und scheint sehr vielfältig zu sein.

Was ich mir vornehme: Nochmal genauer ansehen!

Sketchnotes

Eine Session zu Sketchnotes zu besuchen, stand schon ewig auf meiner Barcamp-To Do Liste. Nun habe ich endlich die Session von Ralf Appelt besucht, der sehr gut in Erinnerung gerufen und praktisch erläutert hat, was Sketchnotes eigentlich sind: gekritzelte Notizen, die nicht super schön sein müssen, sondern vor allem einen Vortrag wieder in Erinnerung rufen sollen. Ralf hat verschiedene Strukturierungs-Möglichkeiten für Sketchnotes vorgestellt - und vor allem Mut gemacht, es auszuprobieren.

Was ich mir vornehme: endlich mal mit Zeichenübungen beginnen.

Das ist nur eine kleine Auswahl der Inspirationen und Anregungen. Viel mehr findet man via Hashtag #echat18. Und wer jetzt ebenfalls Lust auf ein Educamp hat: Das #echat19 wird vom 11. bis 13. Oktober 2019 stattfinden!