Offene Bildung für alle zum Mitmachen: mit SPLOTs

Was ist ein SPLOT?

Für was genau die Abkürzung SPLOT steht ist gar nicht genau geklärt. Häufig liest man: ‚Smallest Possible Learning Open Tool‘ – aber richtig gut erklärt, ist die Idee damit noch nicht.

Meine Definition von SPLOT lautet:

Ein möglichst einfaches, webbasiertes Tool, das es Nutzenden ohne eigene Registrierung oder Anmeldung ermöglicht, etwas zu gestalten, zu veröffentlichen und mit anderen zu teilen.

In diesem Sinne kenne ich eine ganze Reihe von Browser-Tools, die sich im oben beschriebenen Sinne als Splots eignen:

  • Etherpads und Wikis, an denen frei mitgeschrieben und ergänzt werden kann, dazu gehört z.B. das auf Markdown basierende Pad ‚HackMD.io
  • oder Tools zur offenen Website-Erstellung ohne Anmeldung oder Registrierung wie telegra.ph oder txt.fyi

Ursprünglich wurde der Begriff SPLOT für Wordpress-Erweiterungen geprägt und von Alan Levine gestaltet. Allen Erweiterungen ist gemeinsam, dass sie eine klassische Wordpress-Installation dahingehend konfigurieren, dass anonym Beiträge veröffentlicht werden können. Die Ausgestaltung der einzelnen Splots ist unterschiedlich: ein Theme ermöglicht gemeinsames bloggen, ein anderes Präsentationen, wieder ein anderes die Veröffentlichung einer täglichen Herausforderung …. Ein Überblick über alle verfügbaren Splots als Wordpress Installationen findet sich auf der Website http://splot.ca/

Wie funktioniert ein klassischer SPLOT technisch?

Um Splots zu nutzen, muss man über eine selbstgehoste Wordpress-Installation verfügen, d.h., es reicht nicht aus, sich einfach via Wordpress.com anzumelden. Um die Nutzungshürden geringer zu machen, gibt es ein ziemlich großartiges Angebot der ‚State University‘: nach Anmeldung kann man sich hier eine URL als Subdomain von stateu.org frei wählen und dort ein SPLOT testweise für dreißig Tage installieren. Dazu einfach ‚Wordpress‘ als gewünschte Installation auswählen – und im nächsten Schritt das gewünschte SPLOT auswählen. Das funktioniert auch für technisch ungeübtere Menschen gut – auf diese Weise besteht eine einfache Option, ein SPLOT zu erstellen und mindestens testweise zu nutzen.

Die alternative Konfiguration erfolgt aufbauend auf einer bereits fertigen Wordpress-Installation. Der benötigte Code samt ausführlichen Erläuterungen dazu, ist bei Github zu finden.

Warum SPLOTs?

Grundsätzlich halte ich SPLOTs für eine sehr spannende Idee für zeitgemäße Bildung. Die für mich wichtigsten Gründe:

  • es handelt sich bei einem SPLOT um ein interaktives Lernsetting in einem konstruktivistischen Sinne. Lernende werden dazu angeregt, offen etwas beizutragen.
  • mit SPLOTs kann die Art des Internets wieder entdeckt werden, das fast schon verloren schien: selbst gestaltet, von unten, mit Hoheit über die eigenen Daten – anstelle der Monopolisierung großer Anbieter und dem dahinter liegenden Geschäft mit unseren Daten.
  • mit Splots gibt es die Option zu institutionenübergreifenden Projekten zum Mitmachen – nicht nur für eine bestimmte Klasse oder Schule, sondern mehrere Teilnehmende aus dem formalen und non-formalen Bereich gleichermaßen.
  • mit SPLOTs wird auf Medienkompetenz in einem umfassenden Sinne hingearbeitet: nicht nur eine bestimmte Technik zu bedienen, steht im Vordergrund, sondern das Internet an sich als Tool und Gestaltungsraum zu nutzen.

Was ist ein Best Practice SPLOT

Das bekannteste SPLOT-Projekt ist DS106. Initiiert von Jim Groom Ende 2010 als offenes Online-Experiment läuft das Projekt bis heute – und zwar überwiegend selbstorganisiert und sehr erfolgreich! Es handelt sich um einen laufenden ‚Kurs‘ zu dem alle Interessierten jederzeit dazu stoßen können. Im Rahmen von DS106 werden Herausforderungen veröffentlicht; Interessierte bearbeiten diese in ihrem eigenen Blog. In der Assignment Bank werden die bisher erstellten Herausforderungen gesammelt – und können jederzeit bearbeitet werden.

Jöran Muuß-Merholz hat Jim Groom zu diesem (und anderer seiner Projekte) interviewt. Die Aufzeichnung des Gesprächs findet man hier

Und bei uns?

Noch kenne ich keine expliziten SPLOT-Projekte im deutschsprachigen Raum. Deshalb mein Session-Vorschlag für das #OERcamp18 in Hamburg an diesem Wochenende: Lasst uns ein deutschsprachiges ‚DS106‘ starten – und auf diese Weise eine Initiative für alle Interessierten zum Mitmachen schaffen für zeitgemäße Bildung und ein offenes Internet!