Virtuelles Lernen erkunden und erfahren: Zwei spannende Online-'Kurse'!

Wer sich inhaltlich zu den Potentialen und Möglichkeiten von digital-unterstütztem Lehren und Lernen weiterbilden will und/ oder praktisch eperimentieren und ausprobieren möchte, wie virtuelle Lernprozesse auch außerhalb einer klassischen Struktur eines Learning Management Systems aussehen können, der hat aktuell die Möglichkeit an zwei spannenden (englischsprachigen) Online-'Kursen' teilzunehmen. Sie sind beide gerade erst gestartet, womit ein Einstieg wunderbar möglich ist. Beide stehen offen und ohne Kosten zum Mitmachen zur Verfügung.

Extend mOOC von Ontario Extend

Der Extend mOOC von Ontario Extend verlässt dem ersten Anschein nach nur wenig eine traditionelle Online-Kursstruktur. Während OntarioExtend ansonsten als offenes Konzept gestaltet ist, wird mit dem mOOC offensichtlich bewusst versucht, weitere Menschen zu erreichen und den Einstieg auch durch ein traditionelleres Online-Kurssystem zu vereinfachen. Ich empfehle ihn vor allem aufgrund des spannenden inhaltlichen Themas. Der mOOC (das m wird klein geschrieben, weil es kein Massive Open Online Course werden soll, sondern eher ein mittelgroßer Kurs) greift das Kompetenzmodell von Simon Bates eines Pädagogen/ einer Pädagogin im 21. Jahrhundert auf. Zeitgemäße Pädagog/innen sind demnach Lehrer/innen, Kurtor/innen, Technolog/innen, Teamarbeiter/innen, Wissenschaftler/innen und Erkunder/innen.

Im mOOC wird für jede der Rollen zwei Wochen veranschlagt. Zur Verfügung gestellt werden dazu Videos, Audios und Texte. Insbesondere geht es darum, Austausch zwischen Teilnehmenden zu initiieren. Dazu gibt es die in MOOC's häufig anzutreffenden Foren. Angestoßen wird der Austausch insbesondere durch kleinere 'Stretching'-Fragen, zu denen es nicht Richtig oder Falsch gibt, sondern die eine Einladung zur Reflexion darstellen. Darüber hinaus kann man sich am so genannten Extended Lunches beteiligen: eine synchrone Austauschmöglichkeit, die in Kanada (dem Ort, wo der mOOC initiiert wird) um 12 Uhr stattfindet - bei uns ist es dann 18 Uhr. Alternativ lassen sich die Inhalte auch selbstorganisiert auf der Website Ontario Extend erkunden.

Um teilzunehmen muss man sich kostenfrei auf dem LMS von Ontario Extend registrieren und dann in den Kurs einschreiben. Auf Twitter findet man den extend mOOC via #ExtendmOOC.

NetNarr: Digital Alchemy

NetNarr ist die dritte Runde eines Kurses an der Kean University in New Jersey. Der Kurs wird regulär von den dortigen Studierenden belegt und durch Präzenzveranstaltungen unterstützt. Zugleich ist er bewusst geöffnet und lädt alle Interessierten zum Mitmachen ein. Ich empfehle den Kurs nicht nur aufgrund des spannenden Themas - der Erkundung und Reflexion der heutigen virtuellen Welt und der eigenen Rolle darin -  sondern vor allem aufgrund seiner offenen Gestaltung. Er orientiert sich an bereits seit längerem etablierten Kursen wie z.B. Daily Create. Anstelle einer geschlossenen Kursumgebungen richten sich alle Teilnehmenden einen eigenen Blog ein, der dann via RSS Feed mit allen weiteren Blog verbunden und zusammengeführt wird. Auf diese Weise entsteht ein offenes Netzwerk für Kommunikation und Austausch, Die beiden weiteren Kommunikationskanäle sind zum einen Twitter via Hashtag #netnarr und zum anderen die Open Source Software Hypothes.is, die eine kollaborative Annotierung von Webseiten ermöglicht. Positiv ist, dass die Nutzung dieser Tools nicht schon als bekannt vorausgesetzt wird. Nötig ist lediglich die Bereitschaft, sich auf solch eine Art des offenen Lernens einzulassen und sich für den Einstieg rund eine Stunde Zeit zu nehmen, in dieser Zeit kann man sich durch das 'Labyrinth' führen lassen, in dem man seine Kommunikationskanäle neu einrichtet oder aktiviert und schließlich mit dem 'Kurs' verknüpft. Es ist einem freigestellt, seinen üblichen Twitteraccount bzw. Blog zu verwenden. Ebenso ist es aber auch möglich, eigene und neue Accounts speziell für den Kurs einzurichten. Sobald man seine Accounts verküpft hat und Inhalte schreibt, nimmt man am 'Kurs' teil. Die eigenen Blogbeiträge tauchen dann automatisch auf der Startseite des Kurses auf. Ebenso kann man via Twitter täglich eine kleine 'Herausforderung' beantworten.

Fazit

Wer in den nächsten Wochen ein bißchen Zeit erübrigen kann, dem empfehle ich eine Teilnahme bzw. mindestens das Hineinschnuppern in die beiden 'Kurse'. Persönlich hoffe ich sowohl auf inhaltliche Anstöße als auch auf Impulse zur offenen Gestaltung virtueller Lernprozesse.