Vorteile von offener Bildung am Beispiel der Bildungsarbeit für Flüchtlinge

Auch wenn das Interesse kontinuierlich wächst, ist offene Bildungspraxis vielfach immer noch ein Insiderthema. Wenn etwas mit dem Fachwort OER (Open Educational Resources, offene Bildungsmaterialien) gekennzeichnet wird, dann wirkt es häufig nur in die doch noch recht enge OER-Community hinein. Das ist schade. Denn die Vorteile einer offenen Bildungspraxis liegen auf der Hand. Das soll im folgenden anhand des Beispiels der Bildungsarbeit für Flüchtlinge gezeigt werden. Ermutigend ist, dass sich gerade in diesem Bereich zurzeit einiges tut.

Über die Notwendigkeit von praktischer Bildungsarbeit für Flüchtlinge gibt es einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Insbesondere der Spracherwerb, aber auch Alltagskenntnisse zum Leben in Deutschland sind unerlässlich für eine gelingende Integration. In der Realität führt diese Einsicht jedoch leider dennoch nicht zu einem ausreichenden Angebot. So warten tausende Flüchtlinge auf Plätze in den von staatlicher Seite angebotenen Integrationskursen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer versuchen diese Lücke zu schließen – und spätestens hier fangen OER an, spannend zu werden.

Unter OER werden allgemein Bildungsmaterialien verstanden, die offen zur Verfügung stehen. Damit ist gemeint, dass auf sie nicht nur frei zugegriffen werden kann und sie ohne Einschränkungen weiter verbreitet werden können. Darüber hinaus soll insbesondere auch ihre Weiterbearbeitung möglich sein. Für die Bildungsarbeit mit Flüchtlingen bedeuten OER somit nicht nur, dass für alle ein einfacherer Zugang zu Bildungsmaterialien besteht. Zudem können die Materialien den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend ganz einfach angepasst werden. So kann beispielsweise eine weitere Ausgangssprache ergänzt werden oder das Material spezifisch für Kinder und Jugendliche aufbereitet werden. Denkbar sind auch Ergänzungen und Weiterentwicklungen, die die Qualität der Materialien permanent verbessern. Natürlich sind OER dabei keine Lösung für alle Bildungsprobleme. Denn ein Zugang zu Bildung, bedeutet noch lange nicht zugleich eine erfolgreiche Bildungsteilhabe. Aber besser als nichts sind solche Materialien in jedem Fall. Und zwar nicht nur bei direkter Nutzung durch Flüchtlinge selbst, sondern auch zur Unterstützung der professionellen und ehrenamtlichen Lehrenden.

ZUM.de – die Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V. – hat in diesem Sinne bereits vor einigen Wochen das Portal zum-willkommen.de gestartet. Hier können mithilfe eines Wikis gemeinsam Materialien zum Deutschlernen gesammelt, weiterverbreitet und bearbeitet werden.

Initiativen wie diese könnten noch deutlich an Schwung gewinnen, wenn die Materialerstellung öffentlich gefördert würde. Vor diesem Hintergrund haben sich mehrere OER-Initiativen im Rahmen des „Schmerlenbachers Appells“ an die Bundesregierung mit der Aufforderung gewandt, dass alle von der öffentlichen Hand geförderten Lernmaterialien offen lizenziert sein müssen. Ich finde: eine begrüßenswerte Initiative, die hoffentlich Erfolg zeigt und dann nicht nur die Bildungsarbeit für Flüchtlinge ganz praktisch ein gutes Stück nach vorne bringen kann, sondern auch allgemein zur Verbreitung und Durchsetzung von OER beiträgt.

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