Weblogs in digitalen Bildungsprojekten

Die softwaretechnische Definition von Weblogs erscheint unspektakulär: eine Anwendung im Internet, die Artikel in umgekehrt chronologischer Reihenfolge ausgibt, welche einzeln adressierbar sind und in der Regel die Möglichkeit bieten, Kommentare zu hinterlassen. Doch vielleicht ist es gerade diese Einfachheit, die die zunehmende Verbreitung von Weblogs erklärt und sie zu einem wichtigen Kommunikationsmedium des Web 2.0 macht. Dies hat auch Auswirkungen auf die Bildungswissenschaft, wo Weblogs zunehmend im E-Learning Bereich verwendet werden.

Bei einem Einsatz von Weblogs in einem digitalen Bildungsprojekt, können grundsätzlich drei zentrale Funktionen unterschieden werden, die sie erfüllen können:

  1. Informationsweitergabe:
    In dieser – sehr einfachen Variante – wird ein Weblog als eine Art Content-Management System genutzt, über das der Lehrende Informationen an die Lernenden weitergibt. Denkbar ist diese Variante beispielsweise in einem Seminar, das durch eine virtuelle Lernplattform begleitet wird. Der Lehrende könnte hier vor jeder Sitzung einen Blogpost einstellen mit Aufgaben und Hintergrundinformationen zum kommenden Thema. Die Lernenden haben die Möglichkeit über die Kommentarfunktion Nachfragen zu stellen.
     
  2. Reflexion:
    In dieser Variante ist das Weblog vorrangig ein Instrument zur Gestaltung selbstorganisierten Lernens, welches aber in angeleitete Kurse integriert werden kann. Die Lernenden werden in diesem Fall aufgefordert, über ihre Lernprozesse in einem eigenen Blog zu reflektieren. Möglich ist es auch, dass sie direkte Aufgaben gestellt bekommen, die mittels eines Blogposts beantwortet werden sollen. In dieser Funktion kann ein Weblog auch eine Art ePortfolio darstellen, da es bei diesem – in seiner progressiven Ausprägung – nicht nur darum gehen sollte, fertige Ergebnisse zu dokumentieren, sondern auch den Prozess der Kompetenzentwicklung abzubilden.
     
  3. Austausch und Kommunikation:
    In dieser dritten Funktion bietet ein Weblog die Möglichkeit, für ein kooperativ angelegtes Bildungsprojekt genutzt zu werden. Es bietet sich hier an, für jeden Lernenden ein eigenes Weblog anzulegen, wobei alle Lernenden auf alle Beiträge Zugriff haben und diese kommentieren können. In angeleiteten Kursen ist es auch möglich, Lernende zu verpflichten, beispielsweise jede Woche drei Beiträge ihrer Mitlernenden zu kommentieren. Auf diese Weise kann gewährleistet werden, dass auch in einem rein virtuellen Lernarrangement, Lernende – über eventuelle Rückmeldungen des Lehrenden hinaus – in Austausch und Kommunikation mit ihren Mitlernenden kommen. Sie erhalten durch sie nicht nur ein Feedback auf ihre eigenen Aktivitäten, sondern lernen durch die Rezeption der Beiträge in den anderen Blogs auch unterschiedliche mögliche Herangehensweisen an eine Aufgabenstellung kennen.

Grundsätzlich lassen sich Weblogs technisch sehr einfach realisieren. Es gibt eine Vielzahl von kostenlosen Angeboten, bei denen man sich online über eine Registrierung direkt seinen eigenen Blog anlegen kann. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Weblogs insbesondere dann ein großes Potential entfalten können, wenn sie in einer Kombination der drei oben geschilderten Funktionen in eine spezifisch gestaltete digitale Bildungsumgebung eingebunden werden. Die Blogseite kann in diesem Fall die zentrale Seite der Lernumgebung werden. Lernende sollten die Möglichkeit haben, die Blogbeiträge zu filtern und sich nur Blogbeiträge des Lehrenden, von bestimmten Mitlernenden oder ihre eigenen anzeigen zu lassen. Auch ist eine Filterfunktion nach bestimmten Themen möglich. Anders als in Foren regt ein Weblog besser zum Schreiben an und es wird verhindert, dass ganze Foren-Rubriken leer stehen oder verwaisen. In einem Blog werden in einer grundsätzlich aktiven und entsprechend gestalteten Lernumgebung immer die wesentlichen aktuellen Aktivitäten abgebildet werden. Auf diese Weise können Weblogs einen wesentlichen Pfeiler in digitalen Bildungsprojekten darstellen. Ich kann ihre Berücksichtigung bei der Konzeption und Gestaltung von Lernumgebungen nur empfehlen.

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